ICE Totally Gaming 2018: Wohin entwickelt sich das Glücksspiel?

Wir werfen einen Blick auf die größte Glücksspielmesse des Jahres. Vom 6. bis 8. Februar fand in London die ICE Totally Gaming statt. Mehr als 500 Unternehmen stellten ihre Produkte vor und diskutierten die Trends der Branche.

Besucher und Stände der ICE Totally Gaming Messe

Im vorigen Jahr besuchten rund 30.000 Besucher die ICE Totally Gaming. Die Messe gilt als wichtigstes Branchentreffen des Jahres. (©TotallyGaming)

Die Messe im Londoner ExCeL Gebäude hat sich zur vielleicht umfassendsten Show ihrer Art entwickelt. Sie bildet das gesamte und stetig wachsende Spektrum des internationalen Glücksspiels ab: Casinos, Sportwetten, Bingo, Lotterien, Zahlungsdienste, Fantasy Sports, eSports und Social Gaming. All diese Themen sind mittlerweile eng mit ihrer technologischen Abbildung verknüpft. Die letzten großen Umwälzungen der Branche fanden in diesem Bereich statt: Zunächst die Digitalisierung der Produkte und ihr Vertrieb im Internet, später die aufwendige Anpassung an mobile Endgeräte. Und auch viele der zukünftigen Herausforderungen der Branche liegen in der digitalen Sphäre.

So waren neue Technologien und ihre Potenziale, ähnlich wie im Vorjahr, die wohl größten Themen der ICE 2018. Gesprächsbedarf besteht vor allem durch die Unsicherheit, wohin sich das Geschäft mit dem Glück entwickeln wird. Denn mit Blockchain, Big Data, künstlicher Intelligenz und virtueller Realität stehen einige Kandidaten für die nächste Revolution des Glücksspiels zur Verfügung. Doch welche Technologie wird sich wann durchsetzen? Jeder einzelnen wird großes Potenzial zugeschrieben. Vor allem die Blockchain könnte heutige Geschäftsmodelle auf den Kopf stellen, könnte Casinos und Buchmacher, wie wir sie heute kennen, überflüssig machen. In welchen Bereich sollten die Unternehmen also investieren, welche Partnerschaften sollten sie bereits jetzt eingehen?

Kann ein Unternehmen alle Bereiche abdecken?

Diese Unsicherheit brachte Vahe Baloulian, Chefstratege von BetConstruct, im Gespräch mit ICE TV zum Ausdruck. Seine Firma offeriert Komplettlösungen für Glücksspielbetreiber, von landbasierten Wettbüros bis zu reinen Online Casinos. Im Interview zögerte er, eindeutige Trends der Zukunft zu benennen. Casino und Sportwetten blieben zwar vorerst „bread & butter“ – das Kerngeschäft. Aber technologisch bearbeite man sämtliche Zukunftsfelder, Deep Data, KI, virtuelle Realität und Kryptowährungen. Man arbeite sogar mit Biotech-Firmen zusammen an „interessanten Dingen“. Es handele sich in allen Bereichen um Experimente mit unklarem Ausgang. Die Welt bewege sich schnell und die Gambling Welt müsse versuchen schrittzuhalten.

Gavin Isaacs von Scientific Games erläuterte an gleicher Stelle seine Vision der Zukunft. Ausgehend von den Erfahrungen der letzten Jahre gehe er davon aus, dass sich der Trend zur Konsolidierung der Branche fortsetzen werde. Der stetige technologische Wandel verstärke diese Entwicklung. Kaum ein Unternehmen könne alle Facetten des Glücksspiels abdecken. Es gehe daher darum, Lücken in der eigenen Strategie zu identifizieren und gegebenenfalls durch Übernahmen zu schließen. Er verwies auf die Übernahme von Nyx Gaming durch sein Unternehmen, um sich auf die Öffnung des US-Sportwettenmarktes vorzubereiten. Eine große Rolle dabei werde außerbörsliches Eigenkapital (Private Equity) spielen, das bereits in der Vergangenheit zu großen Investitionen in den Sektor beigetragen habe.

Gefahren werden ernster genommen

In diesem Jahr gab es erstmals einen eigenen Bereich für Verbraucherschutz auf der Messe. Hier präsentierte sich der Teil der Industrie, der sich vor allem um die Schattenseiten des Glücksspiels kümmert. Regulierer wie die UKGC waren ebenso vor Ort wie Organisationen zur Spielsuchtprävention. Das Jahr 2017 war vor allem in Großbritannien von ausgiebigen Debatten um die Sicherheit des Geldspiels geprägt. Im Zentrum der Kritik stehen die Unternehmen: Sie unternehmen nach Ansicht von Experten zu wenig, um ihre Kunden vor unvernünftigem Spiel zu schützen. Zukünftig wollen die Behörden bereits auf Produktebene prüfen, inwieweit beispielsweise Spielautomaten süchtig machende Eigenschaften aufweisen können.

Es fehle der Industrie außerdem an klaren Strategien zur Bekämpfung von Geldwäsche. Insgesamt setze man sich zu wenig mit dem Verhalten der Kunden auseinander. Dadurch werde es versäumt, riskantes oder möglicherweise illegales Verhalten zu erkennen. Ein weiteres großes Thema war der Bereich Werbung. Einige Marketingkampagnen waren im letzten Jahr durch offensichtlich irreführende Behauptungen aufgefallen. Für Verbrauchervertreter ist klar, dass die Glücksspielfirmen auch für Fehlverhalten ihrer Werbepartner haftbar zu machen sind.

Wohin also entwickelt sich das Glücksspiel? Das kann niemand seriös vorhersagen. Sicher ist nur, dass die Branche den Spielerschutz ernster wird nehmen müssen, wenn sie regulatorischer Bestrafung entgehen will. Doch welche technologischen Neuerungen sich durchsetzen werden, ist derzeit völlig offen. Möglicherweise erleben wir 2018 den Siegeszug der virtuellen Realität in den Online Casinos. Möglicherweise aber auch eine ernsthafte Erschütterung des Sektors durch die Blockchain. Es bleibt spannend.

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